Zum ersten Mal in der Geschichte Marokkos wird eine Frau mit der Regierungsführung betraut. König Mohammed VI. hat Fatima Ezzahra El Mansouri, die Vorsitzende der Partei der Authentizität und Modernität (PAM), ernannt, um nach den Parlamentswahlen am 23. September eine neue Regierung zu bilden.
Die 50-jährige Anwältin, Bürgermeisterin von Marrakesch und ehemalige Ministerin für Stadtplanung, erreicht damit die Spitze der marokkanischen Politik, nachdem sie Erfahrungen in der lokalen Verwaltung, im Parlament und in der Regierung gesammelt hat.
Die Ernennung folgt auf den Wahlerfolg der PAM, einer zentristischen Partei, die traditionell der Monarchie nahesteht. Die Partei gewann 97 Sitze im Repräsentantenhaus und wurde damit zur stärksten Kraft, verfehlte jedoch die absolute Mehrheit von 198 Sitzen.
Die erste Aufgabe der neuen Premierministerin wird es sein, politische Allianzen zu schmieden, um eine regierungsfähige Koalition zu bilden. Eine mögliche Lösung könnte in der Neustrukturierung der bisherigen Regierungskoalition liegen, wobei die Verhandlungen zwischen den Parteien entscheidend für die Zusammensetzung und Prioritäten des Kabinetts sein werden.
Die PAM hat ihre Bereitschaft zum Dialog mit anderen politischen Kräften erklärt. Einige Parteien haben jedoch bereits eine andere Richtung eingeschlagen. Die gemäßigt islamistische Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung sowie die Föderation der Demokratischen Linken haben eine Beteiligung an der Regierung ausgeschlossen und angekündigt, in die Opposition zu gehen.
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El Mansouri ist seit den Anfängen Teil der PAM. Die Partei wurde 2008 auf Initiative von Fouad Ali El Himma, einem engen Vertrauten des Königs, gegründet. 2024 erreichte sie die Führungsebene der Partei und festigte damit ihr nationales Profil, das sie durch ihre Verwaltungs- und Parlamentsarbeit aufgebaut hatte.
El Mansouri studierte Rechtswissenschaften an der Universität Montpellier in Frankreich. Sie war zweimal Bürgermeisterin von Marrakesch und auch Abgeordnete. Sie stammt aus einer in marokkanischen Institutionen bekannten Familie: Ihr Vater, Abderrahmane El Mansouri, war ein hoher Beamter und Botschafter Marokkos in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Im Laufe ihrer Karriere war sie auch mit Vorwürfen von Interessenkonflikten bei Immobiliengeschäften in Marrakesch konfrontiert, die von unbekannten Hackern verbreitet wurden. El Mansouri hat diese Vorwürfe stets als verleumderisch zurückgewiesen und rechtliche Schritte eingeleitet.
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Die symbolische Bedeutung ihrer Ernennung geht über die internen Machtverhältnisse des Königreichs hinaus. El Mansouri ist die erste Frau, die in der Geschichte Marokkos das Amt der Regierungschefin übernimmt, und die zweite im arabischen Raum nach der Tunesierin Najla Bouden.
Dieser Schritt erfolgt im Rahmen der institutionellen Struktur, die durch die marokkanische Verfassung festgelegt wurde. Nach der Reform von 2011, die im Zuge der Proteste des Arabischen Frühlings eingeführt wurde, ernennt der König den Regierungschef aus der Partei, die bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus die meisten Stimmen erhalten hat. Zuvor hatte der König bei der Auswahl mehr Freiheit.
Für El Mansouri bedeutet die historische Tragweite ihres Amtes jedoch auch, dass sie sich sofort mit konkreten Herausforderungen auseinandersetzen muss.
Die neue Regierung wird sich mit wirtschaftlichen und sozialen Fragen befassen müssen, die die Wahldebatten geprägt haben, von der Inflation über die Kaufkraft bis hin zu Löhnen und Beschäftigung. Im Hintergrund stehen zudem die großen Infrastrukturinvestitionen im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2030, die Marokko gemeinsam mit Spanien und Portugal ausrichten wird.
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